Auf der Erfolgs- und Überholspur

Der Dirigent mit den Flöten: Malte Müller und die Moosalbtaler Blasmusik auf hohem Niveau. (Foto: Girard)

Konzert der Moosalbtaler Blasmusik in der Fruchthalle

Wer Erfolg hat, ist auf dem rechten Weg. Diese Maxime gilt auch für die Musikpädagogik - und nach diesem Grundsatz wandelt die Moosalbtaler Blasmusik (Sitz in Steinalben) mit den beiden Abteilungen "Symphonisches Orchester" und Jugendorchester auf der Erfolgs- und Überholspur. Dies war die Quintessenz eines Benefizkonzertes zu Gunsten des Volksbundes "Deutsche Kriegsgräberfürsorge" am Mittwochabend in der Fruchthalle.

Mit dem seit 1971 forcierten Aufbau eines Jugendorchesters hat die Vereinsführung die Zeichen der Zeit erkannt: Vom Blockflöten-Spielkreis über Vororchester führt der Weg zu einem sehr attraktiven Jugendorchester mit überregionaler Ausstrahlung. 

Es spielt auf einem sehr hohen Niveau, wie es viele Hauptorchester nicht erreichen. Nach einer festlich-pompösen Intrade von Philip Sparke legten die beiden Konzert-Fantasien "Imagasy" von Thiemo Kraas und "Ross Roy" klingendes Zeugnis ab von der Ausgeglichenheit der Besetzung, dem hohen spielerischen Potenzial und der besonderen klanglichen Dichte mit Homogenität und Expressivität. Bei weiteren Erfolgstiteln aus den Stilbereichen Musical (von Stephen Sondheim) und Swing (ein Evergreen von Bobby Darin) folgte man mit Akribie und Esprit den gestalterischen Impulsen des Dirigenten Malte Müller, Posaunist beim Pfalztheater-Orchester. Herausragend bei der Vielzahl exzellenter Nachwuchsmusiker wirkte die Flötistin Mareike Vollmar, die bei einer Art Burleske von Angelo Branduardi den Solopart mit abgeklärter Sicherheit, mit Souveränität und lockerer Tongebung ansprechend gestaltete.

Wenn Jugendorchester eines Musikvereins so attraktiv und leistungsstark sind, fällt den Hauptorchestern die Steigerung oft schwer. Die Sorge war hier unbegründet, denn das "Symphonische Orchester" präsentierte tatsächlich den Superlativ, was Schwierigkeitsgrad und künstlerische Reife angeht. Die Wurzeln des ambitionierten Konzert-Blasorchesters gehen zurück aufs Jahr 1954 in Steinalben. Die heute rund 50 Musiker zwischen 15 und 80 Jahren haben nicht nur Generationen, Professionen und Konfessionen überwunden, sondern Regionen verbunden: Gemeinsam dienen sie dem löblichen Ziel der Weiterentwicklung eines konzertanten Blasorchesters bis zur Kunststufe, das sich in Konzerten sowie Wettbewerben und Wertungsspielen kritischen Ohren stellen möchte. An der Spitze steht mit dem Solohornisten des Pfalztheater-Orchesters, Harald Domes, wieder ein erfahrener professioneller Musiker.

Domes hält die Zügel straff in der Hand, will sagen: Er führt das Orchester mit resoluter und eindeutiger Zeichengebung, vermittelt klare Werkvorstellungen und Tempi und bereitet souverän Überleitungen. Großen Eindruck hinterließ allein das sorgfältige Einstimmen während der Pause über 20 Minuten: Zuerst einzeln, dann in Satzgruppen und schließlich in Akkorden des Kollektivs.

Das zahlte sich schon beim "Festlichen Einzug" von Richard Strauss aus: Eine im Laienmusizierwesen ungewohnte klangliche und spielerische Reinkultur war hier und beim Opernquerschnitt aus Bizets "Carmen" unübertroffen. Präzise musikalische Abläufe und subtil charakterisierende Feinheiten prägten auch das Potpourri aus dem "Phantom der Oper" mit einem Höchstmaß an interpretatorischem Feinschliff. (VON REINER HENN)